Hakuna Matata

Dienstag, 02.04.2013

Wie angekündigt sind wir über Ostern mit einer Truppe von circa 30 Leuten nach Ayacucho gefahren. Los gings um 22.30 Uhr peruanischer Zeit, also um 23.30 Uhr, wenn man einen Europäer fragt. War dann aber ziemlich müde und bin recht schnell eingeschlafen. 7 Stunden später und 3000 m höher bin ich dann irgendwo im peruanischen Nirgendwo wieder aufgewacht. Und dann gings mir erstmal schlecht. Sehr schlecht. Hatten zwar die Fenster im Bus offen, aber das mit dem Atmen hat trotzdem nicht soo gut funktioniert. Dazu kam Kopfweh und Übelkeit. Echt heftig, denkt man sich so gar nicht. Aber naja, war ja eigentlich klar. Der Busfahrer meinte dann auch, dass wir gleich da seien, was dann drei Stunden später auch der Fall war. Naja, war halt ein peruanisches "gleich". War aber nicht so schlimm, denn erstens gings mir sowieso viel zu schlecht, um aufzustehen, und zweitens war die Landschaft so unglaublich schön. Wahnsinn. Sobald wir uns dann aber Ayacucho näherten und die ersten Dörfer kamen wurde einem schnell klar, dass wir nun im echten Peru sind. Unglaubliche Armut. Ganz anders als Lima. Die Menschen hausen in Hütten, größtenteils ohne Fenster, also lediglich mit Löchern in den Häusern. Und das in den Highlands, wo es auch echt mal kalt werden kann. Wie wir dann spätestens in Ayacucho feststellen mussten, waren das aber keine Slums oder so, sondern einfach ganz normale Häuser für die dortigen Verhältnisse.

Als wir in Ayacucho ankamen, hatten einige, leider auch ich, immer noch brutale Probleme mit der Höhe. Dazu kam ein unglaublicher Smog. Auch ohne die Höhe wäre das Atmen sau schwer gewesen. So viel verschmutzte Luft, alles war grau und bäh. Wie immer in Peru, mussten wir dann erstmal warten. Hier muss man immer auf irgendwas warten. Immer. Aber naja, sind dann kurz ins Hostel, das war auch ganz ok, und dann erstmal auf die Plaza de Armas. Die gibts in jeder Stadt und dort ist es auch immer wunderschön. So die ganze Stadt mega heruntergekommen, aber die Plaza de Armas und ihre direkte Umgebung sieht immer super aus. Schnell frühstücken und dann erstmal ins Hostal schlafen. Nachmittags waren wir dann auf nem Handwerkermarkt und sind bissle durch die Stadt geschlendert. Plötzlich waren auch ungefähr alle Menschen auf der Straße. Bzw. in den Kirchen. Dort ist es Tradition, dass man am Gründonnerstag ganz viele Kirchen besucht. So viele so LANGSAME Menschen. Es war nicht so schön. Sollten eigentlich 7 Kirchen anschauen, aber nach 2 hats uns dann auch gereicht. Also wieder ins Hostal schlafen, man kann sich echt nicht vorstellen, was diese Höhe mit einem macht... Nach ner Schmerztablette und ner halbwegs warmen Dusche (der letzten vorerst, aber das wussten wir da noch nicht) gings dann noch n bisschen feiern.

Am nächsten Morgen gings nach viel zu wenig Schlaf und ner EISKALTEN Dusche los auf nen Tagesausflug. Unterwegs hat man wieder krasse Armut in unglaublich schöner Natur gesehen. Ich kann das nur immer wieder sagen, das ist echt krass. Als erstes gings dann zu der Stelle, an der Lateinamerika unabhängig wurde. Naja, wundert mich nicht, dass die Spanier verloren haben. Auf 3600 m Höhe kann man nämlich gar nicht atmen. War auch blöd von denen, da überhaupt hinzugehen. Da wir vom Bus aus noch nen kurzen Aufstieg vor uns hatten, hat uns auch der Führer erstmal Eukalyptusblätter abgepflückt, die wir inhalieren sollten. Hat auch geholfen, denn man kann echt schwer atmen. Aber die Peruaner sind sowieso immer sehr besorgt um uns. Bin auch ca. stündlich gefragt worden, ob ich mich denn ja mit Sonnencreme eingeschmiert habe. Ist aber sehr nett. Oben war es dann ganz cool. Ich habe auch 1000 Fotos gemacht, aber ich bin halt ein Pechvogel und irgendwie fehlt mir jetzt die Hälfte der Fotos. Vielleicht hab ich Glück und irgendwer kann die noch retten, keine Ahnung was schon wieder passiert ist. Aber kein Problem, ich bins ja gewohnt. Außerdem bin ich in Peru, da macht man sich um sowas eh kein Kopf. Ist halt so, das Leben geht weiter... Und ihr müsst halt mit dem was ich hab vorlieb nehmen, weil natürlich hab ich die meisten Bilder gemacht, so dass mir auch die Bilder von den anderen nicht viel nutzen... Anschließend gings dann Mittagessen. Das schönste Essen hatte meine Mitbewohnerin Flavia bekommen (das Bild ist natürlich auch weg): Reis mit Nudeln und Kartoffeln. Naja, satt ist sie auf jeden Fall geworden. Wobei man aber sagen muss, Kartoffeln und Reis als Beilage ist hier normal, das haste fast immer. Aber die Nudeln dazu war schon sehr abwechslungsreich... Und dann hab ich MEERSCHWEINCHEN probiert. Und ja, es war wirklich ganz gut. Bisschen stressig weil so n Meerschweinchen aus 13216 winzigen Knochen besteht. Aber lecker. Anschließend gings dann in so ne Art Freilichtmuseum der Wari. Das war eine Kultur die vor den Inkas hier lebte, über die man aber nicht so viel weiß... Anschließend gings dann heim schlafen. Und dann wollten wir duschen. Aber nein. Kein Wasser. Gar keins. Auch keine Klospülung. Kein Problem, Hakuna Matata. Und zuviel Duschen trocknet ja eh die Haut aus. Und dann trinkt man einfach nichts mehr, dann muss man auch nicht auf Toilette. Kein Stress. Abends sind wir dann wieder zur Plaza de Armas gefeiert. Dort gabs ne Prozession. Da sind ganz viele Menschen mit Kerzen und nem gläsernen Sarg mit Jesus drin prozessiert und haben Jesus zurück in die Kirche getragen, aus der sie ihn hergeholt haben. Danach gings dann wieder feiern. Es war auch wieder die ganze Stadt plus 27638764 Touristen unterwegs. Hier feiert man nämlich wenn man trauert, ist ja oft so in Südamerika und anderen Ländern.

Samstag frühs gings dann, immernoch ungeduscht da immernoch kein Wasser, wieder zur Plaza um an einer Stierhetzjagd teilzunehmen. War dann auch egal: Mir gings immer noch nicht ganz gut wegen der Höhe und der Luftverschmutzung, ich hab Meerschweinchen gegessen und ungeduscht war ich auch. Also was solls. Natürlich hats wie immer mit warten angefangen. Ab und zu sind ein paar Reiter durch die Menge geritten. Und immer wieder haben Menschen Pyramiden gebaut. Überall. Verrückt. Haben dann zwar ewig in einer unglaublichen Hitze gewartet, aber nix gesehen. Standen aber auch eher am Rand, weil wir dann doch n bisschen Angst hatten und das eigentlich auch nicht gut finden können. Haben dann auch keinen Stier gesehen, da wir nach 3 Stunden dann lieber essen und anschließend schlafen gegangen sind.

Am Abend war dann überall Feuerwerk und soweiter. Waren dann aber nicht soo lang unterwegs, weil wir ziemlich fertig waren. Am So war um 4 Uhr morgens dann irgendne Prozession, aber auf die haben wir verzichtet. Es ging einfach nicht. Und dann sind wir aufgewacht. Und die Dusche ging. Und die Klospülung. Es war ein Traum. Das Wasser war natürlich unendlich kalt. Aber WASSER. Das war soo schön. Dann gings wieder zurück nach Lima. Natürlich mit ner Stunde Verspätung. Waren so 30 Leute im Bus. Mit einer Toilette. Die man nicht abziehen konnte. Naja, muss ja nicht erzählen, wie schnell das eklig wird. Und zwar so schlimm, dass man sie echt nicht mehr nutzen kann. In Deutschland wäre das ja kein Problem, da kann der Bus ja alle 50 km an ner Raststätte anhalten. Wenn man aber stundenlang durchs Nirgendwo fährt, geht das halt nicht. Nach 5 h Fahrt hatten wir dann endlich ne Toilette gefunden. Ich versteh auch nicht, warum der Bus nicht einfach in der Pampa angehalten hat, aber egal. So. Natürlich mussten dann alle mal austreten. Und plötzlich war der peruanische Busfahrer super ungeduldig. Haben uns ja echt gefragt, ob es normal ist, 10 Stunden einfach durchzufahren... Aber naja, nachts kamen wir dann in Lima an. Das schönste hier ist das warme Wasser. Hammer. Heute vormittag kam dann ne Freundin die auch mit dabei war: Bei ihr zuhause geht das Wasser nicht. Aber sie hat einfach gelacht. So wird man hier. Unendlich ruhig und gechillt. Macht ja eh keinen Sinn sich aufzuregen. Ich bekomme wahrscheinlich auch einen Mega Kulturschock wenn ich nach Deutschland zurückkomme und plötzlich wieder alles so schnell ist und alles immer funktioniert... Aber eigentlich ist das auch ein bisschen schön hier. Man akkzeptiert einfach alles, ändern kann man's ja echt nicht. Hakuna Matata

 

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Dieses Blog berichtet aus Peru (Studium).

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