Heimatgefühle

Dienstag, 02.07.2013

Da es in Lima nach meiner Rückkehr aus Mancora wieder grau und nass war und ja auch diese Woche schon Prüfungen sind und die Rückkehr nach Deutschland bald bevorsteht, beschlossen wir, nochmal ein Wochenende in der Sonne zu verbringen. Ziel war das "Selvamanos"-Festival in Oxapampa. Los ging's am Donnerstag Abend fast pünktlich, mit nur 3 Stunden Verspätung. Die Busfahrt war dann irgendwie nicht so geil, waren auch zwischendurch auf über 5000 Meter, das hat meinen Kopf und meine Lunge wiedermal fast zum Platzen gebracht. Am Morgen wurde dann schnell deutlich, dass wir in Oxapampa sind. Während in Peru eigentlich Flachdächer üblich sind und ganz glatt verputzte Häuser bzw. Rohbauten, haben in Oxapampa viele Häuser Spitzdächer und sehen auch sonst sehr deutsch aus. Außerdem gibt es auch einige Holzhäuser, was ebenfalls sehr unüblich ist. Der Grund dafür, dass die Häuser so deutsch aussehen ist, Überraschung, dass sie von Deutschen und Österreichern gebaut wurden. Die Deutschen sind halt immer überall... Mitte des 19. Jahrhunderts sind nämlich eine Gruppe von Tirolern und Rheinländern nach Peru ausgewandert sind. Von Lima sind sie dann 1,5-2 Jahre nach Oxapampa bzw. Pozuzo gewandert und haben sich dort, mitten im Dschungel übrigens, angesiedelt. Da im Laufe des 2. Weltkrieges deutsche Schulen bzw. alles was mit der deutschen Sprache zu tun hat, verboten wurde, sprechen heute nur noch die ganz alten Leute deutsch.

Naja, auf jeden Fall waren wir dann am Vormittag auf dem Festivalgelände. Haben natürlich auch halb Lima dort getroffen sowie Marco und Claire, die wir in Huancayo kennengelernt haben. Auch Peru ist nur ein Dorf. Da die Musik erst am Nachmittag anfing, machten wir dann einen kleinen Ausflug zu einem Fluss. Anschließend ging's dann nach Oxapampa, wo es einige Produkte mit dem Etikett "Tiroleses" zu kaufen gibt. Ich hab eine Schwarzwälderkirschtorte gegessen, die auch tatsächlich ganz gut war. Vermiss ja schon ein bisschen das deutsche Essen. Außerdem gab es dort auch endlich mal guten Kaffee, der ist in Peru ja nicht so üblich... Bin dann auch endlich mal Mototaxi gefahren, hatte ich vorher irgendwie nie gemacht. Mototaxis sind sowas wie Rikschas, also eigentlich für 2-3 Leute gemacht. Kann man aber natürlich auch problemlos zu 6 benutzen, die fahren dann zwar ein wenig langsamer, aber das stört ja nicht.

Dann kamen endlich auch Jasmine und Matthias an. Die beiden sind schon ein paar Tage früher los gefahren, weil sie noch nach Pozuzo, also in das Tiroler Dorf, wollten. Flavia und ich hatten wegen Mancora ja keine Zeit dafür. Jasmine hatte dort erfahren, dass APFELSTRUDEL eine typisches Gericht ist, welches aus dieser Region stammt. Ahja, natürlich. Die beiden haben auch erzählt, dass es in Pozuzo wohl echt eine strenge Rassentrennung gibt. Die Peruaner und die Tiroler (bzw. Deutschen) werden streng getrennt. Deshalb herrscht dort wohl auch ziemlich viel Inzest und es sehen quasi alle Tiroler mehr oder weniger gleich aus. Diese haben aber wohl erzählt, dass es in der Nähe noch ein größeres Inzestdorf gibt, wo alle irgendwie Cousins und Cousinen sind. Seltsam. Außerdem sei es wohl auch so, dass die Tiroler eben die Wohlhabenden sind und die Peruaner auch so n bisschen unterdrücken. Das ist echt irgendwie ein bisschen seltsam alles. Aber auch witzig. Vor allem weil auch in Oxapampa doch ein paar deutsche und österreichische Flaggen rumhängen. Naja, zurück zum Festival. Mit so 2 h Verspätung ging es dann los. Am Freitag war hauptsächlich englische Musik, war aber echt cool. Und die Natur war halt auch geil. Wie gesagt, Oxapampa liegt im Dschungel in den Bergen (Es gibt in Peru auch noch niedrig-gelegenen Dschungel). Dadurch war es natürlich supergrün und nicht so vertrocknet wie auf meinen bisherigen Reisen.

Am Samstag haben wir dann erstmal ein bisschen gechillt. Bis plötzlich das typisch peruanische Lied "Anton aus Tirol" unsere Ruhe gestört hat. Anschließend kamen dann noch mehr Oktoberfestmusik. Auf dem Festivalgelände haben Menschen in Dirndl und Lederhose Schuhplattler getanzt. Im peruanischen Nirgendwo. Also wirklich ein kleinesbisschen seltsam irgendwie das alles. Am Abend kam dann zum Glück wieder peruanische Musik, also spanisch anstatt deutsch. War auch wieder echt witzig.

Naja, am Sonntag ging es dann auch schon wieder zurück, denn am Mittwoch steht ja die erste Prüfung an. War aber wirklich sehr schön und interessant und ein wenig seltsam in Oxapampa.

Nach den Prüfungen geht's dann wieder in Dschungel, aber diesmal zum bzw. auf den Amazonas. Das gibt mir Kraft ;)

Hasta luego

 

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Dieses Blog berichtet aus Peru (Studium).

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